Ein Wort als Pauschale
Was ISO 56002 unter 7.6 verlangt — und warum die häufigste Antwort darauf einfach nicht wirklich stimmt
Fragen Sie ein Innovationsteam, mit welchen Kreativmethoden es arbeitet. Die Antwort kommt schnell und ohne Zögern: Brainstorming. Sie kommt im Konzern wie im Mittelstand, in Hannover, Berlin und München, und seit einiger Zeit mit einem Zusatz — Brainstorming mit KI. Die Antwort ist universell. Und sie verrät mehr über den Zustand der Methodenkenntnis, als denen lieb sein kann, die sie geben.
ISO 56002 kennt die Methode. Abschnitt 7.6, Instrumente und Verfahren, verlangt von der Organisation, „die notwendigen Instrumente und Verfahren für die Entwicklung, Aufrechterhaltung und Verbesserung ihres Innovationsmanagementsystems [zu] bestimmen, bereitstellen und aufrechterhalten“. Zwei der drei Punkte, die sie dabei berücksichtigen soll, entscheiden alles Weitere: die Auswahl und Bereitstellung „einer Mischung aus geeigneten Instrumenten und Verfahren“ und, bezüglich der verfügbaren Methoden, „Bewusstsein zu schaffen, den Zugang sicherzustellen und entsprechende Schulungen anzubieten“. Eine Mischung. Und Schulung.
Alex Osborn und sein Versprechen
An dieser Stelle wird die Sache unbequem. Alex Osborn beschreibt die Methode 1953 in Applied Imagination, mit dem Versprechen, eine Gruppe nach den richtigen Regeln produziere doppelt so viele Ideen wie Einzelne. Fünf Jahre später prüfen Taylor, Berry und Block das nach und finden das Gegenteil. 1987 zerlegten Diehl und Stroebe das Phänomen in vier Experimenten: 28 Ideen pro Gruppe gegen 74,5 in der nominalen Variante, 20,8 Prozent gute Ideen gegen 79,2. Die Forschung ist damit älter als die meisten Innovationsabteilungen, die sie ignorieren.