Lösungsorientierung führt in die Irre

Wir Menschen lieben Lösungen.

Einfach mal machen

Innovationsmanagement

Wir Menschen lieben Lösungen. Möglichst gestern.Wenn etwas nicht läuft, springen wir reflexhaft in den Modus: „Wie kriegen wir das weg?“ – und wundern uns später, warum trotzdem alles beim Alten bleibt.

Gerade in der Wirtschaftswelt ist dieser Reflex tief verankert. Viele Organisationen wollen gar nicht erst das Problem sehen – sie pochen lieber auf „konstruktive Lösungsorientierung“.Doch genau hier liegt der Denkfehler: Wer zu früh nach Lösungen ruft, sabotiert sich selbst.

Innovationsmanagement trifft Hochtechnologie

Zuerst verstehen – wirklich verstehen

Design Thinking ist für mich kein Werkzeugkasten, um schneller Post-its zu verkleben.Es ist eine Kultur, wie wir der Realität begegnen – und welche Antworten wir auf welche Fragen überhaupt erfinden.

Bevor ich über Lösungen nachdenke, trete ich einen Schritt zurück:

  • Was ist hier eigentlich das Problem?
  • Was ist der Bedarf hinter dem Bedarf?
  • Welche Perspektiven habe ich übersehen – weil sie nicht meine eigenen sind?

Das klingt simpel, ist aber anspruchsvoll.

Sinnvoll zu verstehen bedeutet: phänomenologisch, sensibel, kritisch, empathisch und mit einer guten Portion Demut zu schauen, zu sprechen, nachzufassen.Es bedeutet, das eigene Wissen kurz leiser zu drehen und anderen Raum zu geben.Erst wenn dieses Feld wirklich aufgespannt ist – wenn Beobachtungen irritieren, überraschen oder sogar wehtun –, beginnt die eigentliche Arbeit.

Ergebnispräsentation

Der Lösungsraum ist kein Sprint – sondern ein Freiraum

Sobald wir in einem kreativen Prozess sind, passiert etwas Dramatisches:Der Kopf versucht viel zu früh, die Lösung festzuzurren.

Genau dieser Impuls verengt den Blick – und führt zu Innovationen, die wirken wie recycelte Kompromisse.

Kreativität funktioniert anders:
Sie braucht Weite. Sie braucht Zeit. Sie braucht Profis, die Offenheit aushalten, strukturieren und spielerisch erweitern können. Und sie braucht Innovationsmanager*innen, die für den passenden Rahmen sorgen, in dem dieses Erkunden überhaupt möglich wird.

Denn die Ideenphase ist kein „Suchen nach Lösungen“, sondern ein Erkunden möglicher Realitäten.Innovation entsteht dort, wo wir es schaffen, unsere innere Freiheit zu bewahren – statt sie vorschnell mit Lösungen zuzuschütten.

Double Diamond

Double Diamond

Design Thinking ist eine Vollzugserfahrung

Viele sehen Design Thinking als linearen Prozess: Verstehen → Beobachten → Ideen → Prototypen → Testen.

Natürlich kann man es so organisieren. Im Idealfall tanzen wir durch den Prozess.

Aber wer Design Thinking wirklich praktiziert, merkt schnell:Es ist weniger Prozess – mehr Haltung. Mehr Kultur als Methode. Mehr Vollzug als Lösung. Mehr Bewusstsein im Tun – weniger Kritteln am unfertig Frischen.

Es ist die Art, wie wir unserer Realität begegnen: neugierig, dialogisch, kritisch, kreativ – und gleichzeitig zutiefst menschlich.

Wenn wir es so leben, bekommt der Prozess eine existenzielle Qualität:

Wir begreifen, was wirklich zählt, und schaffen Lösungen, die nicht nur neu, sondern sinnvoll sind.

Und sollten Tests am Ende zeigen, dass es Verbesserungen braucht, liefert diese existenzielle Qualität schneller Alternativen – weil wir im Denken schon beweglicher geworden sind.

Innotonic Akademie

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Über den Autor

Prof. Gunnar Spellmeyer

IDEENGEBER, NACHFRAGER, ENERGIEERZEUGER

Gunnar Spellmeyer kennt als Professor für Industrial Design Entwurf und als Entrepreneurshipcoach die Genese einer Idee hin zu einer Innovation. Und er kennt die Hindernisse, die Hürden in Organisationen für Erfindungen und auch das frühe Scheitern von Innovationen. Mehr als 30 Jahre Erfahrung als Designer, über 20 Jahre Expertise in Forschung und Lehre, mehr als 10 Jahre als Design Thinking Profi: es scheint ihm, als könne ihn nichts mehr überraschen. Und doch begegnet er immer wieder neu und neugierig dem Zauber von Kreation und Innovation.

Seine Arbeiten wurden ausgezeichnet, millionenfach verkauft oder finden sich in einigen Museen wieder. Auch seine partizipatorischen Innovations-Formate im Sinne der Transformation, des Kulturwandels in Unternehmungen oder Organisationen wurden ausgezeichnet. Gunnar ist der kreative Kopf von innotonic, vor und hinter den Kulissen und verantwortlich für die innotonic Akademie.

Gunnar Spellmeyer lebt mit einer Theologin in Wennigsen und hat drei Töchter. Der nahe Deister erinnert ihn an seine Osnabrücker Heimat und ist ›Ladestation‹ nach seinen vielen internationalen Workshops.

hello@innotonic.de

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