Die Begegnung der 3. Dimension

- denn auf die Planung kommt es an!

Wir lieben gute Pläne. Egal ob es ein Plan vom Glück ist, wie ihn Herbert Grönemeyer besingt oder der Plan für ein wichtiges Ereignis, dem wir besondere Aufmerksamkeit schenken. Wir lieben gute Pläne, weil sie uns die Unsicherheit des Zufalls nehmen und ein Pfad sind für eine strukturierte Folge von Handlungen, die sich zudem auch noch beliebig oft wiederholen lassen.

So weit so gut!

Aber wie plant man eigentlich eine Struktur, wenn Weg und Ziel unklar sind?

 

Die Stacy Matrix soll uns lehren, dass das innovative Heil unternehmerischen Handelns gerade dort zu finden sein soll, wo Weg und Ziel unklar sind, dort wo die gelernten, erprobten, erfolgreichen und wohl auch effizienten Prozesse, Organisationsstrukturen und Planungen gerade keine Bedeutung haben. Es scheint fast so, als seien sich alle Visionäre und Zukunftsforschende einig. Evolution scheint zunehmend mehr out. Den künftigen Erfolg bietet vornehmlich das Explorative.

Horizon

Stacy Matrix, innotonic Illustration

Macht das Sinn?

Martin Walser beschreibt den Weg ins Unbekannte als Prolog um das NEUE zu entdecken fast romantisch in einem Satz – Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.

Alles richtig! Klingt nach Hoffnung und Zuversicht und auch nach Mut. Oder anders: Die Verlierer von morgen bleiben heute dort stehen, wo sie sind. Aber mal Hand aufs Herz: würden wir die Existenz unserer Unternehmung für die Hoffnung auf einen großen Erfolg im noch Unbekannten als Einsatz setzen? Also All in?

Wohl eher nicht!

Warum auch. Läuft doch! Wozu die Struktur stressen und die Mitarbeitenden verunsichern? Warum das Neue wagen, wenn das Alte ganz hervorragend läuft, Sicherheit schafft und sich vor allem erfolgreich verkaufen lässt? Nein, das alleinige Heil liegt eher nicht dort, wo Weg und Ziel unklar sind, wo bestehende Prozesse nicht gelten, wo gewohnte Arbeitsweisen nicht uneingeschränkt funktionieren, wo die erprobte Organisationsstruktur und natürlich die damit verbundenen Planungen nicht greifen. Einige Expert*innen verweisen indes darauf, dass vor allem deutsche Unternehmen ihre Anteile an explorativer Innovation deutlich steigern müssten, um den raschen Marktveränderungen und neuen Kundenbedürfnissen angemessen begegnen zu können. Möglichst im Verhältnis von 70/30 auf 50/50 evolutionär zu explorativ.

Gedanklich bin ich hier unwillkürlich bei Ecki Reimann, Edelgastronom und Gourmetkoch aus Hannover. Neben viel Chichi in seinen Restaurants gab es im gastwirtschaftlichen Ambiente seines Reimann´s Eck Hausmannskost von ausgezeichneter Qualität. Und wer die Karte aufschlug fand dort ein wirklich ungewöhnliches Gericht mit Namen fifty fifty, dessen kulinarische Komponenten jeder kochbegeisterte Küchenlaie offensichtlich nicht kombiniert hätte. In der Reimannschen Küche war es jedoch kein Problem, dass eine halbe Rindsroulade mit Rotkraut und eine halbe Kohlroulade, vereint durch schmackhafte Salzkartoffeln den Teller zierten. Die Kritiker denken sofort an die Unentschlossenheit der Gäste als Motivationstreiber dieser beeindruckenden Kombination. Ich dachte immer: alles ist möglich, wenn der Plan stimmt.

Denn entscheidend ist die Performance!

Auch in den Unternehmen Es ist letztlich die Balance, die den Unterschied macht. Wir brauchen den geübten, sicheren Stand und wir brauchen ebenso einen geeigneten Plan vom Neuen. Es verwundert also nicht, dass gerade die Planung als ein wesentliches Element des Innovationsmanagementsystems ISO 56002 als 3. Dimension betitelt wird. Ist der Name Programm? Ist der Bereich Planung damit als eine von sieben Dimensionen wichtiger als andere? Wohl kaum!

Und doch geht es hier inhaltlich ans Eingemachte. „Strategic innovation objectives and planning to archieve them“ lautet eine der Subdimensionen. „Actions to address opportunities & risks“ eine andere. Also die Planung zur Nutzung von Chancen und dem Bewältigen von Risiken und ebenso die Entwicklung von strategischen Innovationszielen und die Planung, genau diese Ziele zu erreichen.

 

Organisationskontext

Interne und externe Herausforderungen mit Einfluss auf das Innovationsmanagement

Führung

Engagement der Führungsebene für das Innovationsmanagement

Planung

Aufbau, Ablauf, Indikatoren, Chancen und Risiken der Planung von Innovationen

Unterstützung

Rahmenbedingungen für erfolgreiche Innovation

Prozess

Umsetzungsstruktur Innovationsmanagement 

Erfolgsmessung

Messung, Analyse und Bewertung von Innovationsindikatoren (Innovation Evidence)

Verbesserung

Auswertung Erfolgsmessung als Basis für kontinuierliche Verbesserung

ISO 56002 Dimensionen

Die 3. Dimension

Reifegradanalyse

Ihr obliegt die Planung des Innovationsportfolios und damit dem entscheidenden, strategischem Merkmal unternehmerischer Innovationsentwicklung. Die 3. Dimension des Innovationsmanagementsystems nach ISO 56002, Planung, ist der organisatorische Wegweiser in der Innovationsentwicklung. Sie ist es, die den Fokus auf Aufbau und Planung eines Innovationsmanagementsystems in Unternehmen richtet (unter Berücksichtigung der Anforderungen und Erwartungen der relevanten Beteiligten) sowie auf Chancen und Risiken der Planung von Innovationen.

Dass erfolgreiche Unternehmen sich mit Prozessplanung, Chancen- und Risikobewertung auskennen ist unstrittig. Zumindest solange es sich um evolutionär gewachsene Geschäftsfelder und die dazugehörigen Organisationsstrukturen handelt. Aber wie ist es mit explorativen Innovationsthemen? Gibt es da im Vorgehen ebenfalls Konsens? Sind für alle Beteiligten Stakeholder im Unternehmen die Strukturen klar und verständlich? Sind die Innovationsziele messbar? Anhand welcher Indikatoren? Werden die Ziele von allen Interessengruppen gleichermaßen getragen? Sind die bestehenden Organisationsstrukturen innovationsförderlich? Gibt es klare Vorgaben, um verschiedene Innovationsprojekte zu verwalten? Gibt es ein eigenständiges und aktives Risikomanagement für Innovationsprojekte? Berücksichtigt ihr Unternehmen bei der Planung von Innovationsaktivitäten stets auch die Stärken und Schwächen der gesamten Organisation und aller involvierten Parteien?

Gibt es Unsicherheiten bei der Beantwortung dieser sehr relevanten Fragen?

Über den Autor

Roger Cericius

LABORANT & EXPEDITIONSLEITER

Roger Cericius ist als Geschäftsführer der Denk- und Innovationsplattform FUTUR X GmbH seit Jahren Laborant und Expeditionsleiter für Innovationsentwicklungsprojekte und Strukturentwicklung für zahlreiche deutsche Unternehmen. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Mobilitätsthemen, Projekte im Bereich der Digitalisierung von Lebens- und Wohnräumen, die Entwicklung technologiebasierter Lösungen für analoge Abläufe und vor allem, die Entwicklung von Beteiligungsformaten im Bereich der Personalentwicklung und Qualifizierung. Die FUTUR X Projekte und Formate folgen in der Zusammenarbeit mit Kunden stets dem Prinzip der Losgröße 1 und damit der Anpassung an die Anforderungen der Unternehmens- und Kundenbedürfnisse. Als charismatischer Redner mit einem großen Netzwerk ist Roger bei innotonic zuständig für Vertrieb und PR.

Roger Cericius ist verheiratet und hat einen Sohn. Er lebt am Deister in Sichtweite seiner Geburtsstadt Hannover – Seine Leidenschaft gilt dem Ehrenamt, der Kirche, dem Wassersport und in Anlehnung an seine Zeit im Knabenchor, der geistlichen Musik.

hello@innotonic.de

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